﻿#title:Braavos
#author:Anario
#types:essos
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Braavos ist ein Stadtstaat im nordwestlichen Essos und eine der neun Freien Städte. Sie ist östlich von Westeros gelegen, jenseits der Meerenge an der Westküste, dort, wo das Zitternde Meer und die Meerenge aufeinandertreffen. Mit ihren berühmten "einhundert Inseln" ist sie die nördlichste, reichste und möglicherweise mächtigste der Freien Städte. Die Stadt erstreckt sich über mehrere kleinere Inseln, die durch kleine Steinbrücken miteinander verbunden sind. Der Stadtstaat und seine Herrscher kontrollieren die umliegenden Lagunen und einen Küstenstreifen südwärts nach Pentos. Eine gewaltige Statue, die der Titan von Braavos genannt wird, wacht über die Hafeneinfahrt zur Lagune und ist das Wahrzeichen der Stadt.

Menschen aus Braavos werden Braavosi genannt. Sie sind bewunderte Seefahrer und Schwertmeister. Ihre Handelsschiffe segeln in viele entfernte Regionen und bringen durch Handel einen gewissen Wohlstand ein. Die Stadt ist Sitz der Eisernen Bank von Braavos, die sogar an die Sieben Königreiche Kredite vergibt.

Im Gegensatz zum Adel in den Sieben Königslanden bevorzugen wohlhabende und mächtige Braavosi dunkle Kleidung.

Braavos wurde vor etwa 800 Jahren von entlaufenen Sklaven gegründet, die zu Beginn nur nach Freiheit strebten und der Tyrannei der Valyrischen Herrscher entkommen wollten. Sie sollten an Bord eines großen Schiffsverbunds von Valyria zu einer kürzlich gegründeten Kolonie in Sothoryos gebracht werden. Die Sklaven haben sich aber in einem blutigen Aufstand erhoben, sich der Schiffe bemächtigt und sind "bis ans Ende der Welt" geflohen, um ihren Herren zu entkommen. Da sie wussten, dass die Valyrer sie jagen würden, wandten sie sich von ihrem ursprünglichen Ziel ab und segelten stattdessen nach Norden. Die Chroniken der Braavosi behaupten, eine Gruppe Sklavinnen aus dem fernen Land der Jogos Nhai habe ihnen prophezeit, wo sie Schutz finden würden: in einer fernen Lagune hinter einer Mauer kiefernbewachsener Hügel und Felsen, wo ein steter Nebel sie sogar vor den Augen der Drachenreiter schützen würde. Und so geschah es. Diese Frauen waren Priesterinnen, die man Mondsängerinnen nannte, und bis heute ist der Tempel der Mondsängerinnen der größte Tempel in Braavos. In ihrer Frühzeit war Braavos, weil sie versteckt lag, für die übrige Welt bedeutungslos. Doch als die Stadt im laufe der Zeit immer weiter wuchs, erlangte sie eine Macht, die ihresgleichen sucht.

In Braavos herrscht weder ein Fürst noch ein König, stattdessen liegt die Regierungsgewalt in den Händen des Seeherrn, der von den städtischen Magistern und Schlüsselträgern aus den Reihen der Bürgerschaft gewählt wird. Von seinem Palast am Hafen aus befehligt der Seeherr die größte Kriegsflotte der bekannten Welt und eine Flotte von Handelsschiffen, deren violette Rümpfe und Segel überall auf der Welt ein bekannter und vertrauter Anblick geworden sind.

Die Braavosi sprachen ursprünglich verschiedene Muttersprachen, weshalb man sich auf das Valyrische, die Sprache der ehemaligen Herren der Sklaven, als Umgangssprache einigte.

Weil sie im Namen der Freiheit ihr Leben riskiert hatten, schworen die Mütter und Väter der neuen Stadt, dass kein Mann, keine Frau und kein Kind in Braavos jemals Sklave, Leibeigener oder Schulddiener sein sollte. Dies ist das Erste Gesetz von Braavos, das in den Stein des Großen Bogens gemeißelt wurde, der den Langen Kanal überspannt. Von jenem Tag an wandten sich die Seeherren von Braavos gegen jede Form der Sklaverei und führten (und führen) viele Kriege gegen Sklavenhändler und ihre Verbündeten.

Die umgebenden Inseln waren dicht bewaldet, und auf dem nahe gelegenen Festland fanden sich Eisen, Zinn, Blei, Schiefer und andere nützliche Baustoffe. Vor allem aber lag die Lagune abgelegen und wurde nur selten von Fremden besucht. Obwohl die in Freiheit entkommenen Sklaven von ihrer Flucht erschöpft waren, fürchteten die meisten von ihnen eine erneute Versklavung. Im Verborgenen wuchs und gedieh Braavos. Höfe, Häuser und Tempel überzogen die tief liegenden Inseln, während Fischer den Reichtum der Großen Lagune und des offenen Meeres abschöpften. Unter den vielen Schalentieren entdeckten die Braavosi eine bestimmte Schneckenart, die mit jener verwandt war, die Tyrosh und seine Färber reich und berühmt gemacht hatte. Aus dieser Schnecke ließ sich ein dunkler, violetter Farbstoff gewinnen, mit dem die Braavosi ihre gestohlenen Schiffe färbten, wann immer sie die Lagune verließen. Sorgfältig mieden sie valyrische Schiffe und Städte und trieben stattdessen Handel mit Ib und später auch mit den Sieben Königreichen.

Des Weiteren sind die Kurtisanen von Braavos in der ganzen Welt berühmt. Sie sind allesamt freie Frauen, anders als die berühmteren Schönheiten aus den Lustgärten von Lys oder den Bordellen von Volantis. Ihre Künste beschränken sich nicht nur aufs Schlafgemach, denn ihr reger Geist und ihr Auftreten lassen sie auch für die reichsten Händler, die kühnsten Kapitäne und die bedeutendsten Besucher begehrenswert erscheinen. Schlüsselträger, Herren und Fürsten buhlen um ihr Wohlwollen. Die berühmtesten Kurtisanen geben sich poetische Namen, die sie noch geheimnisvoller erscheinen lassen. Sänger wetteifern um ihre Gunst, und die Braavosi mit ihren schmalen Schwertern kämpfen oftmals im Namen einer Kurtisane bis zum Tod. Die Fechtkunst der Braavosi, der Geheimen Stadt, ist ebenso berühmt wie die Schönheit ihrer Kurtisanen. Kaum durch Rüstung behindert, schwingen sie die schlanken, spitzen Klingen, die weitaus leichter sind als die Langschwerter der Sieben Königslande, in einem schnellen, tödlichen Stil. Die größten Braavosi nennen sich Wassertänzer, ein Name, der auf den Brauch zurückgeht, sich auf dem Mondweiher nahe dem Palast des Seeherren zu duellieren. Es heißt, wahre Wassertänzer könnten auf der Oberfläche des Teiches kämpfen und töten, ohne dabei das Wasser aufzuwühlen.